Ayurveda Tipps für den Herbst

Ab dem Zeitpunkt der Tag- & Nachtgleiche (Äquinoktium) zwischen dem 21. - 23. September werden die Nächte wieder länger als die Tage.

Der Herbst ist da und damit die Zeit von Vata.

​Spätestens mit den ersten Herbstwinden und Frost macht sich das besonders deutlich bemerkbar.. ​

AYURVEDA DOC
​Teil 1: Der Große Guide

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​​Vata hat folgende Eigenschaften

kalt, trocken, schnell,
beweglich, leicht, fein, subtil,
klar, rau, zusammenziehend 

​​…so ist auch das Wetter.  Das ist für viele Menschen eine sehr empfindliche Zeit. Wir fühlen uns irgendwie fast durchlässig und sind meist etwas fahriger als sonst.
So wechselhaft wie das Wetter kann sich auch unser Energieniveau darstellen. Die Pflanzen verlieren ihre Blätter uns ihre Säfte nach Innen zentrieren, sollten auch wir uns aus allzu viel Trubel und Hektik zurückziehen und Innenschau halten. Was könnte jetzt schöner sein als sich mit einem guten Buch, einer Tasse Tee und dicken Wollsocken an den Kamin zu setzen und die Regenschauer einfach auszusperren?

Der Herbst ist aus ayurvedischer Sicht eine von Vata geprägte Jahreszeit, die Zeit der Winde (Vayu). Die spätsommerliche Hitze des Septembers weicht der Kälte, den Winden und der Feuchtigkeit. Wir fahren die Ernte ein: Kürbiskuchen und Erntedank stehen vor der Tür und wir schwelgen in Gewürzen, genießen heißen Apfelwein und Strudel.

In unserem Kulturkreis wurden wir schon seit jeher von aufsteigenden Nebeln, der bunten Herbstlandschaft und der zunehmenden Dunkelheit inspiriert. Der Baum, der vor Kurzem noch üppig, mit grünen Blättern und reifen Früchten dastand, verwandelt sich: das bunte Laub wird weggeweht und der Stamm des Baumes wird wieder sichtbar. Ohne Blätter auf den Bäumen sieht man plötzlich die Sterne und der Himmel scheint präsenter. Das Vata Dosha, geprägt von den Elementen Wind und Äther wird nun, im Herbst, auch in unserer natürlichen Umgebung sichtbarer.

Kulturelle Feierlichkeiten zu Halloween (Samhain), Allerheiligen und dem Tag der Toten: Dia De Los Muertos

​Der Tag der Toten: Dia De Los Muertos lenkt die Aufmerksamkeit ebenfalls auf das Ende der Lebenszyklen und läutet das Ende des lebhaften, hitzigen und extrovertierten Sommers ein.

Es ist die Zeit, in der wir uns auf unsere Wurzeln besinnen und unserer Ahnen gedenken.

Es ist die Zeit der Innenkehr, des Zuhauses und dem Kuscheln und Träumen vor dem prasselnden Kaminfeuer. Wir möchten die Zeit mit unseren Lieben verbringen und es ist Zeit für Harmonie und Gleichgewicht. Die inneren Angelegenheiten bekommen nun einen höheren Stellenwert. So wie die Pflanzen ihre Säfte in die Wurzel ziehen, sollten auch wir uns an diesen natürlichen Zyklus anbinden und entsprechend dieser uralten Rhythmen leben.

Das Herbstwetter

Das Wetter im Herbst ist nicht vorhersehbar und zeigt eine große Veränderlichkeit, so wie wir es von dem unsteten Vata Dosha bereits an anderer Stelle kennen. Zwiebel-Look ist angesagt: mehrere Schichten warmer, natürlicher, atmungsaktiver Kleidung, sind ein guter Schutz um zu verhindern, dass Du Dich erkältest, wenn die Temperatur plötzlich sinkt. Nun sind (baum- ) wollige Kleidungstücke in warmen Rottönen ein guter Schutz gegen die Kälte und das zunehmende Vata Dosha. 

Was passiert in Deinem Körper im Herbst?

Um die Wärme zu bewahren, zieht Dein Körper Blut aus den Gliedmaßen ins Innere. Dieser Effekt lässt die Haut im Vergleich zur Helligkeit und Leuchtkraft des Sommers blass und grau aussehen. Deine Muskeln fühlen sich möglicherweise müde an und Deine Extremitäten kalt. Tiere würden sich nun in eine Höhle in den Winterschlaf begeben, um in der kühlen Zeit den Energieverbrauch auf ein Minimum zu reduzieren. Auch Du darfst in der Vata Zeit Deinem erhöhten Ruhe- und Schlafbedürfnis etwas mehr nachkommen. Dennoch halte Deinen Stoffwechsel aktiv und betreibe 2-4 mal in der Woche moderaten Ausdauersport, öle Dich häufiger ein, rege Dein Agni (Verdauungsfeuer) an und suche die Sauna auf. 

Halte Dich schön warm, denn mit den sinkenden Temperaturen steigt die Erkältungsneigung.

Morgendliche Wechselduschen können Die gut dabei helfen, die Temperaturschwankungen besser zu adaptieren.

Energieniveaus der Doshas im Herbst

Jedes Dosha ist individuell von der herbstlichen Klimaveränderung betroffen.

Vata

Für Vata-Typen kann der Herbst sehr unausgewogen sein, da er ihre trockene, leichte, kalte und bewegliche Natur verstärkt. Sie müssen mit größter Sorgfalt vorgehen, um Krankheiten vorzubeugen. Viele Ruhepausen, warme Bekleidung, erwärmende Tees und Suppen und die Vermeidung von zuviel Stress und Stimulanzien sind nun besonders wichtig.

Pitta

Das kühlere Wetter ist eine Erleichterung für Pitta- Naturen. Ihre warme, ölige Natur wird durch die kühle, trockene Luft ausgeglichen, die Überreizung des hitzigen Sommers wird abgemildert. Mondlicht hat eine beruhigende Wirkung auf das warmblütige Pitta und die längeren Nächte wirken sich regenerierend und besänftigend auf das dynamische Pitta aus. 

Kapha

Kapha-Typen fühlen sich lebendig und erfrischt, wenn der Herbst Trockenheit, Wärme und belebende Wind für sie bereithält.
Die überschüssige Feuchtigkeit, Schwere und Stase des heißen, feuchten Sommers werden einfach weggepustet. Nun ist es für die Kapha Naturen sehr gut ausgiebige, lange Spaziergänge an der frischen Luft zu unternehmen.
Sie sollten trotz der länger werdenden Nächte nicht zu viel schlafen: 6-7 Stunden sind für Kapha Menschen völlig ausreichend.

Das Agni- Verdauungsfeuer im Herbst

​​Durch das Zentralisieren des Blutes zur Körpermitte, steigert sich das Agni, denn der Magen wird besser durchblutet.
Es war lange Zeit für die Spezies Mensch eine wichtige Überlebensstrategie, eine Schicht isolierenden Fettes in der Haut aufzubauen, um über den Winter warm zu bleiben. Dieses evolutionäre Muster erübrigt sich mit den Errungenschaften der Zivilisationsgesellschaft, mit all den alltagserleichternden Mitteln wie Federbetten, warmes Wasser, Heizungen, etc. Dennoch scheint unsere Evolution nicht schnell genug zu sein, für diese Entwicklungen und unser Organismus funktioniert noch auf die gleiche Weise wie vor tausenden von Jahren. So betrachte der moderne Ayurveda den Zuwachs an Körperfett im Herbst/ Winterzyklus sogar als besonders immunstark und als einen Zuwachs von Oja (Lebenskraft). 

Vata

​Vata-Typen werden feststellen, dass ihr Appetit stärker ist, aber ihre Verdauung immer noch schwach und unstet ist. Sie sollten vor dem Mittagessen ein Glas warmes Wasser mit einer Prise Salz, zwei Scheiben frischen Ingwer und dem Saft einer halben Limone trinken, um ihren Körper vor der Hauptmahlzeiten auf den Verdauungsprozess vorzubereiten und den Körper mit Feuchtigkeit zu versorgen. Vatas sollten leicht verdauliche, warme, fettige und gut gewürzte drei Mahlzeiten am Tag essen und auf gar keinen Fall eine Mahlzeit ausfallen lassen.

Pitta

​Pitta-Individuen können sich zu dieser Jahreszeit ausgezehrt und besonders hungrig fühlen. Aber sie können es sich leisten: ein gut funktionierender Pitta Stoffwechsel verbrennt die schweren verdaubaren Nahrungsmittel und benötigt das Plus an Energiezufuhr. 

Kapha

​Kapha-Typen haben zu dieser Jahreszeit möglicherweise mehr als sonst mit Heißhungerattacken zu kämpfen: also aufgepasst! Wir essen nun besonders gehaltvoll und viel zu häufig, aufgrund der rituellen Feierlichkeiten. Dieses Verhalten ist besonders für den Kapha Typen besonders verhängnisvoll und er tappt, wenn er nicht achtsam bleibt, in die Falle von Trägheit, Übergewicht und Müdigkeit. Hier gilt es weiterhin, so wie das ganze Jahr hindurch, maßvoll und angemessen zu essen und trinken.

Anfälligkeit für Krankheiten im Herbst

Die Haut und Schleimhäute können infolge des zunehmenden Vata Doshas austrocknen. Deine Haut ist ausgetrockneter und besonders hungrig nach einer Extraportion an Feuchtigkeit.
Die kühler werdenden Temperaturen und der Wind vermehrt in uns das Vata Dosha und kann für trocknen Husten, Verstopfung oder einer Verschlechterung von Hauterkrankungen wie Ekzemen und Rissen der Haut aber auch der Schleimhaut verursachend sein.
Besonders Vata-Typen können unter mehr Nervosität, Ausgezehrtheit und Schlafstörungen leiden.
Um der allgemeinen Trockenheit entgegenzuwirken und die Immunität zu stärken, solltest Du Dir insbesondere im Herbst/ Winter regelmäßig eine (Selbst-) Massage mit warmen Kräuterölen (Abhyanga) gönnen.
Trinke außerdem den ganzen Tag über warmes Wasser oder Ingwertee Vermeide Diuretika wie Kaffee oder schwarzen Tee, die Dich austrocknen und Dein Nervensystem überstimulieren.

Ayurveda Routine für den Herbst

Folge einem regelmäßigen und ruhigen Rhythmus.

Besonders in dieser Jahreszeit bist Du aufgrund des vorherrschenden Vatas sehr störempfindlich. Wie Du sicher jetzt schon weißt, ist eine Regelmäßigkeit für Deinen Tagesablauf für jede Konstitution und in jeder Jahreszeit sehr wichtig. Nun aber kommt das bewegte und unstete Vata noch erschwerend hinzu. Auch durch die kürzer werdenden Tage und das kalte und stürmische Wetter kann Dein Biorhythmus ordentlich durcheinandergeraten. Sei daher nun besonders konsequent und diszipliniert. Deine Immunität und Resilienz werden es Dir danken. 

​Stehe um 6 Uhr auf, nach Deiner Morgenroutine trinke ein großes Glas heißes Wasser (gleich das Vata sofort aus, aktiviert den Stoffwechsel und erwärmt Dich).

​Iss zu regelmäßigen Zeiten und möglichst warm, finde eine angemessene Work-Life Balance, vermeide Stress und kompensiere am Nachmittag Dein Vata mit einem Gewürztee und einer kleinen Süßigkeit.

​Am Abend sorge dafür, dass Du rechtzeitig zur Ruhe kommst. Es ist in der Vata Jahreszeit nicht sehr ratsam spät zu essen, nach 18 Uhr noch ins Fitnessstudio zu gehen oder die Nächte durchzufeiern, denn das Vata wird es Dir nachtragen.

Tiefe Regeneration in der Nacht auftanken

​Gehe möglichst vor 22 Uhr mit der Kapha Zeit ins Bett. Trinke vorher noch eine warmen Mandelgewürzmilch und gehe rechtzeitig schlafen. In der Vata Zeit wirst Du wahrscheinlich mehr Schlaf benötigen als sonst. Der Körper ist im Regenerations-Modus und so wie es vielfach im Tierreich stattfinden haushalten wir mit den Energien auf Sparflamme. Nimm Dir ungefähr 8 Stunden Zeit zu Schlafen und beginne morgens mit Deinem Plan für die Morgenroutine.

​Selbstfürsorge und Massagen

Ganz besonders jetzt ist die richtige Zeit für regelmäßige Selbstamassage oder im Rahmen einer ayurvedischen Ganzkörperanwendung wie z.B. die Abhyanga (Sanskrit: Einsalben) Dich von der Fußsohle bis zum Scheitel mit warmen Ölen zu durchtränken. Dein Vata wir es Dir danken. Du gleichst damit die Trockenheit und Kälte, die mitunter tief im Gewebe sitzen kann, aus und sorgst für eine stabile Immunität. Die Ölmassagen haben im Ayurveda eine wichtige Bedeutung: sie nähren und öffnen die Körperkanäle, stärken das Gewebe, beruhigen das Nervengewebe und wirken sich regenerierend auf das Vata aus.

Anleitung: Die Ayurveda-Selbstmassage

​​Besonders wohltuend ist die ayurvedische Massage mit warmen Ölen.

​Diese Massage wirkt sich stabilisierend auf das Nervensystem und die Muskulatur aus und hat sowohl nährende als auch reinigende Effekte.
Dazu bekommst Du eine gut gepflegte und elastische Haut und das Haarwachstum wird angeregt.

Vielleicht reicht die Zeit morgens manchmal für die ayurvedische Selbstmassage?

Dies ist eine wunderbare Technik, um Deine Vata rasch in den Griff zu bekommen, Dich von innen heraus tief zu durchwärmen und Deine Haut straff und elastisch zu halten.
Das ungewöhnliche daran ist, dass wir im Ayurveda diese Massage mit warmen Ölen vor dem Duschen durchführen.
Diese Selbstamassage ist eine etwas aufwändigere Methode. Du solltest Dir ausreichend Zeit, Ruhe und Müßiggang dafür gönnen.

  • ​Dein Bad sollte gut beheizt sein.
  • Nimm Dir ca. 100- 200 ml eines guten kaltgepressten Sesams oder Kokosöls mit dem Duft Deiner Wahl (dosha- bezogene Duftmischungen siehe unten).
  • Erwärme das Öl auf der Heizung oder im Wasserbad auf ca. 30- 40 C°
  • Lege Dir ein altes Handtuch auf dem Boden (das Öl lässt sich manchmal nicht rückstandsfrei auswaschen und riecht dann ranzig).
  • Nun reibe Dich komplett von Kopf bis Fuß mit dem warmen Öl ein und spare dabei auch nicht die kleinste Stelle aus (also auch zwischen den Zehen, hinter den Ohren etc.) 
  • Beginne zunächst an den Füssen nun in sanften kreisenden Bewegungen das Öl tief in das Gewebe einzuarbeiten. An den Gelenken machst Du kleinere kreisende Bewegungen, an den Gliedern lange Streichungen mit einem größeren Druck entgegen der Haarwuchsrichtung und weniger Druck entlang der Haarwuchsrichtung. Lasse auch hier wieder keine Körperstelle aus und widme Dich ganz Dir selbst. 

​​Du wirst tendenziell mehr Öl benötigen, wenn draußen Minustemperaturen vorherrschen oder aufgrund von Stress Dein Vata besonders hoch ist.

Nimm Dir viel Achtsamkeit und Zeit für Dich und lasse das Öl ca. 20-30 Minuten einwirken, bis Du Dich unter die Dusche begibst.

Du solltest Dich während ​das Öl auf Deiner Haut ist ​unbedingt warm und windgeschützt halten, da Du sonst schnell eine Erkältung bekommen kannst.

Wenn Du eine Sauna hast, so kannst Du mit zusätzlicher Wärme das Öl noch tiefer in Dein Gewebe einschleusen.,

Im Anschluss gehe bitte unbedingt warm duschen. Das stehengebliebene Öl auf Deiner Haut hat neben der nährenden auch reinigenden Wirkung und sollte unbedingt abgewaschen werden.

Wenn Du sehr volles und langes Haar hast, kann es schwierig sein das Öl gut und vollständig auszuwaschen. Dafür solltest Du in das Haar eine gute Portion Shampoo ohne Wasser auftragen, auf emulgieren und dann abduschen und das Waschen dann nochmals wiederholen.

Nach dem Duschen trockne Deinen Körper und Deine Haare gut ab, verweile noch ca. 15-30 Minuten mit Tee und in Ruhe in der Wärme und starte Deinen Tag mit dem obligatorischen heißen Wasser und dem warmen Brei.

​Zusammenfassung

  • ​Da Dein Nervensystem im Herbst so leicht überreizt ist, solltest Du nun besonders auf die tägliche Routine achten.
  • ​Iss warmes, gekochtes Essen zu regelmäßigen Tageszeiten.
  • ​Gehe bis um 22 Uhr ins Bett
  • Stehe jeden Tag zur selben Zeit auf und gönne Dir morgens etwas Selbstfürsorge mit den ayurvedischen Reinigungspraktiken und Yoga
  • Gönne Dir 2-4 mal im Monat eine ayurvedische (Selbst-)Massage (Abhyanga)mit warmen Sesamöl und Kräutern
  • Meide starken Stress, Reisen und einschneidende Veränderungen, um Dein Vata nicht noch weiter in die Höhe zu treiben.
  • Triff Dich mit auf gemütliche Runden mit Freunden
  • Setzte Dich wenn möglich ans Feuer
  • Meide Überstimulationen, aber auch zu viel Zeit alleine kann bei Vata Naturen Angst und Unsicherheit hervorrufen.
  • Warmhalten! Ziehe Dir warme Schichten an und trinke Tee.
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